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TopThema: Jugendtrends in Deutschland

Von admin

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Über die Heterogenität und Ambivalenz der deutschen Jugendbiographie

Autor: Dr. Tobias Faix



INHALT:
A DIE JUGENDBIOGRAPHIE: WER ODER WAS IST JUGEND?
1. ALTERSPHASE JUGEND
2. JUGENDKULTUR
3. JUGENDSZENE
4. JUGENDTRENDS
5. JUGENDCLIQUEN (PEER-GROUPS)

B JUGENDTRENDS IM GESAMTGESELLSCHAFTLICHEN ZUSAMMENHANG
1. SOZIALISATIONSTHEORIEN IN DER JUGENDFORSCHUNG
2. JUGEND IN DER OPTIONSGESELLSCHAFT
3. DER HANG ZUM TRANSZENDENTEN
4. DER ERLEBNISDRANG
5. SCHULE, AUSBILDUNG & ARBEIT
6. PERSÖNLICHKEIT ALS NEUER WERT

C DER ZUSAMMENHANG VON MUSIK & SZENEN
1. DIE BEDEUTUNG DER MUSIK FÜR DIE JUGENDSZENEN
2. DER WANDEL DER JUGENDKULTUREN: UNÜBERSCHAUBAR VIELE SUBSZENEN
3. WARUM GIBT SO UNZÄHLIG VIELE NEUE SZENEN?

D ÜBERBLICK ÜBER AKTUELLE JUGENDSZENEN IN DEUTSCHLAND
1. BLACKMETAL
2. HARDCORE
3. HIP-HOP
4. GOTHIC
5. SKATEBOARDING
6. TECHNO
7. „DIE NEUBÜRGERLICHEN/SPIEßER“
8. MAINSTREAM
9. NEUE SZENEN…
10. DIE SPRACHE DER JUGEND

E WAS HEIßT DAS FÜR DIE CHRISTLICHE JUGENDARBEIT?
1. DIE SELBSTKONSTRUKTION DER GOTTESVORSTELLUNG
2. HERAUSFORDERUNGEN FÜR DIE MISSIONARISCHE PRAXIS

A Die Jugendbiographie: Wer oder was ist Jugend?

Schon der Versuch zu beschreiben, wer oder was Jugend ist, gestaltet sich schwierig. Es gibt weder den Jugendlichen noch die Jugend (Wetzstein u.a.2005:13). Die Lebensphase Jugend, früher noch eindeutig als bloße Durchgangsphase von der Kindheit zum Erwachsensein definiert, ist heute mehr und mehr ein Kulturphänomen, zunehmend losgelöst von scharfen Altersgrenzen. Doch nicht nur durch die Verlängerung der Jugendphase bis in die 30er ist Jugend heute keine homogene Gruppe mehr, sondern auch deshalb, weil sich die jugendkulturellen Trends und Szenen enorm vervielfacht und ausdifferenziert haben (Stampler, 2006:1).

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Jugendliche einzuteilen, wie zum Beispiel nach Alter, Reife oder Persönlichkeit, aber es gibt keinen Prototypen, an dem sich orientiert werden könnte. Jugendliche sind Teil einer Familie, eines Freundeskreises, eines sozialen Netzes, Teil der gesamten Gesellschaft. Jugendliche verändern sich und werden verändert. Jeder Jugendliche ist ein einmaliges Individuum mit eigenen Gefühlen, Vorstellungen und Prägungen. Dies sollte man sich immer vor Augen malen, wenn man von, über und mit Jugendlichen redet. Es geht um Leben und nicht um eine theoretisch starre Einteilung. Leider lässt sich zweiteres auch im Folgenden nicht völlig ausschalten. Wenn man über mehrere Jugendliche schreibt, versucht man immer einen größtmöglichen gemeinsamen Konsens als Basis zu finden, dies schließt andere ebenfalls wichtige Merkmale wie Interessen, Freizeitgestaltung, Fähigkeiten etc. nicht aus. Dazu kommt die Besonderheit des Jugendalters mit den entwicklungspsychologischen Phasen der Pubertät und der Adoleszenz.

Mit dem Begriff Jugend werden normalerweise Menschen einer bestimmten Altersgruppe verbunden. Aber die Festlegung dieser Altersgruppe bereitet weitgehend Schwierigkeiten. Soziologen sind sich über genaue Altersangaben uneinig. Schelsky, der die erste Jugendsoziologie nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland schrieb, widmet diesem Problem elf Seiten in seiner Soziologie über die deutsche Jugend, dem ersten vollständigen Jugendbericht der Nachkriegszeit (Schelsky, 1963:21-34). In den Altersangaben merkt man die Veränderung durch die Jahrzehnte; wurden in den 50ern grob die 15-20jährigen als Jugendliche bezeichnet, geht der Schnitt langsam nach oben. In den 90ern wird der Begriff Jugend von dem Begriff „Twentysomethings“ (1) abgelöst, man merkt deutlich die „Steigerung“. Laut deutscher Gesetzgebung ist ein Jugendlicher zwischen 14 und 17 Jahre alt, die 18- 20jährigen werden als „Heranwachsende“ bezeichnet. Neben diesen Verschiebungen des Alters gibt es eine weitere Verschiebung demographischer Art. Waren in den 50er Jahren noch über 1/3 der Deutschen unter 20 Jahre, so sind es heute gerade mal 20%, Tendenz weiter sinkend (Hitzler 2006:1). Obwohl die Zahl der Jugendlichen in Deutschland stetig abnimmt, nimmt das Interesse an der deutschen Jugendbiographie ständig zu. Dies hat mit den Auflösungen klarer homogener Strukturen und Jugendszenen zu tun, wie wir sie über Jahrzehnte in Deutschland vorgefunden haben (Breyvogel, 2005:9-68). Die demographische Zahl von Jugendlichen mag zurückgehen, das Phänomen „Jugendlichkeit“ breitet sich hingegen weiter aus. Jugend scheint nicht mehr nur ein Thema des Alters zu sein, wie es bisher eingegrenzt wurde, sondern vielmehr ein Lebenseinstellung. Dazuvielmehr ein Lebenseinstellung. Dazu später mehr. Zuerst sollen verschiedene Begrifflichkeiten erklärt werden und somit die äußeren Rahmenbedingungen festgelegt werden.

Definitionsmöglichkeit des Begriffs Jugend:

Interessant ist die Definition von Jugend in der Brockhaus Enzyklopädie (2):

„Jugend, im alltägl. Sprachgebrauch ist ein bestimmender Lebensabschnitt oder ein gruppenspezif. Verhaltensmuster dieser Phase, auch die jeweilige Generation in diesem Lebensalter; im Rahmen einer genaueren Begriffsbestimmung ist Jugend eine komplexe Erscheinung, die sowohl historisch, sozial und kulturell (auch religiös und ökonomisch) geprägt, als auch in ihrer Existenz selbst an bestimmte Formen sozialer Evolution gebunden ist.“

An dieser sehr komplexen Definition kann man erkennen, wie kompliziert und wie schlecht fassbar dieses Thema ist. Eine weitere Definition von Jugend gibt der Soziologe H. Bertram wieder, wenn er schreibt:

„Jugend stellt sich empirisch nicht als eine einheitliche Kultur oder als ein einheitliches Phänomen dar, sondern je nach gesellschaftlicher Zugehörigkeit zu bestimmten Teilgruppen, je nach sozialer Situation ganz unterschiedlich […]“ (3)

Der Jugendbegriff (4) sowie verwandte Begrifflichkeiten wie Jugendalter, Jugendbiographie, Jugendphase oder Jugendkultur werden bei den folgenden Überlegungen eine entscheidende Rolle spielen, zumal die Zielgruppe aller Überlegungen Jugendliche sind. Deshalb gilt es im Folgenden eine Verständnisgrundlage zu bilden, was Jugendliche sind und wie sie im gesellschaftlichen Kontext zu verstehen sind.

Dabei ist festzustellen, dass es um diese Begriffe in den letzten Jahren eine große Unsicherheit und auch eine Neuentdeckung einer ganzen Generation gab (Schröder & Leonhard 1998:18-20). Deshalb wird nicht auf die eine Typologisierung einer Jugendgeneration oder einzelner Fragestellungen dazu eingegangen, sondern es werden die Zusammenhänge verschiedener Jugendentwicklungen, die für das Thema relevant sind, aufgezeigt und die Korrelation mit Jugendforschung und der daraus veränderten Religiosität der Jugendlichen verdeutlicht. (5)

Fortsetzung: PDF Download Jugendkultur in Deutschland (Faix)


(1) So bezeichnet D. Coupland die neue Jugendgeneration von 16 bis 29 Jahren, vgl. Douglas Coupland, Generation X – Geschichten für eine immer schneller werdenden Kultur (Berlin: Aufbau Verlag, 1994).
(2) Brockhaus Enzyklopädie Bd.11, Jugend, (Mannheim: Brockhaus Verlag, 1990), 253.
(3) H. Bertram, Jugend heute (München: CH. Beck Verlag, 1987), 3.
(4) Im Folgenden werden die Begriffe: Jugend, Jugendalter, Jugendphase, Jugendgeneration oder Jugendbiographie synonym verwendet.
(5) Eine umfassende Beschreibung der Geschichte und Entwicklung der Jugend findet man u.a. in Göppel, R. 2005. Das Jugendalter: Entwicklungsaufgaben – Entwicklungskrisen – Bewältigungsformen, Dudek, P. 2002. Geschichte der Jugend. IN: Handbuch Kindheits- und Jugendforschung. Leske + Budrich. Baacke, D. 2004. Jugend und Jugendkulturen. Darstellung und Deutung. 4. Auflage. Juventa oder Schumann-Hengsteler/Trautner. 1996. Entwicklung im Jugendalter.

 

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